
OnePlus, Vivo, Oppo und Realme sind zwar bekannte Smartphone-Hersteller – stellen für sich genommen jedoch keine Konkurrenz zu Big Playern wie Samsung und Apple dar. Was viele nicht wissen: Bis vor ein paar Monaten gehörten alle vier Unternehmen zu einem Riesenkonzern namens BBK Electronics.
Das bisher kaum jemand von BBK Electronics gehört hat, ist kein Wunder. Die Subunternehmen Oppo, Vivo und OnePlus stellen sich nach außen stets als eigenständige Firmen dar. Selbst in Statistiken zum Marktanteil tauchen sie seit jeher als gesonderte Entitäten auf. Dass dahinter jedoch eine enorm große Unternehmensgruppe stand, wird fast nirgendwo erwähnt.
Dabei machten Oppo und Vivo allein im zweiten Quartal 2021 mehr als ein Fünftel der globalen Smartphone-Verkäufe aus (Quelle: Statista). Auch wenn es in der Statistik nicht so erscheint: zusammengenommen hatten die BBK-Töchter in den vergangenen Jahren oft einen höheren Marktanteil als die Branchenführer Samsung und Apple. Damit war BBK Electronics jahrelang Chinas größter Smartphone-Hersteller, weit vor den Konkurrenten Xiaomi und Huawei.
Das komplexe Smartphone-Imperium von BBK Electronics
Die Verbindung der einzelnen Marken mit BBK war vergleichsweise kompliziert. Die chinesische Business-Publikation „Jiemian News“ beschreibt das komplexe Geflecht wie folgt: „Durch Überkreuzbeteiligungen, Mitarbeiterbeteiligungen, gemeinsame Führungspositionen usw. besitzt BBK Marken wie Oppo, Vivo, OnePlus und Realme.“
Dahinter stand der chinesische Milliardär Duan Yongping, wie die „South China Morning Post“ 2019 berichtete. Duan war Gründer und Vorsitzender der nicht börsennotierten BBK Electronics Corporation und die führende Hand hinter Oppo, Vivo, OnePlus und Realme. Mit BBK Electronics baute er der South China Morning Post zufolge „einer der größten und komplexesten Elektronik-Lieferketten der Welt“ auf. In China gelte er deshalb als „Godfather“ der Smartphone-Industrie. Ein Partnerschaftsprogramm von 1999 führte zur Gründung von Oppo im Jahr 2004 und Vivo im Jahr 2009. Damit reduzierte Duan seine Anteile an BBK auf 17 Prozent.
BBK Electronics in mehrere Unternehmen gespalten
Doch nun existiert BBK Electronics in seiner ehemaligen Form nicht mehr. Der chinesischen Wirtschaftsbetrieb-Datenbank QCC.com zufolge wurde der Eintrag aus dem Unternehmensregister entfernt. Die ehemalige Webpräsenz bbk.com leitet nur noch auf eines der Subunternehmen um, das zuvor zu BBK Electronics gehörte.
BBK Electronics selbst hat derzeit nur eine einfach gestaltete Website, auf der unter anderem Haushaltsgeräte und Verbraucherelektronik zu finden sind – aber keine Smartphones. Das Unternehmen scheint also in reduzierter Form weiterhin zu bestehen.
Welche Folgen hat die Auflösung?
Die Aufspaltung des Riesenkonzerns hat zur Folge, dass die Unternehmen unabhängig voneinander agieren können. Da sie ihr eigener Rechtsträger sind, können sie nicht mehr kollektiv von staatlichen Aufsichtsbehörden geprüft werden, wie der Fall Indien zeigt.
Da Oppo und Vivo bereits seit Jahren als separate Smartphone-Marken auftreten, dürfte das Ende von BBK Electronics keine größeren Auswirkungen auf die Strategien der Hersteller haben. Während es in früheren Jahren oft Überschneidungen bei Design und Ausstattung gab, haben beide Marken mittlerweile unterschiedliche Stile entwickelt.
Allerdings könnte die Unabhängigkeit auch dazu führen, dass ein gemeinsamer Ressourcen-Pool wegfällt. Während Vivo bereits länger recht unabhängig operiert, agierte Oppo zumindest bis 2020 noch im Namen von BBK Electronics. Damals plante das Unternehmen, selbst in die Fertigung von Smartphone-Chips einzusteigen. Zeku Technologies, das Halbleiter-Chips für Oppo und OnePlus herstellen sollte, wurde jedoch bereits im Mai 2023 wieder aufgelöst. Der Hauptgrund: das US-Verbot für Chip-Exporte an chinesische Unternehmen.
Wie schwerwiegend die Folgen der Aufspaltung sein können, zeigt das Beispiel Indien. Dort müssen OnePlus und Realme nach der Abspaltung von Oppo neue Distributionspartner finden, um weiter Smartphones verkaufen zu können.