Im vergangenen Jahr ist das OnePlus 15 mit einer beeindruckenden Ausstattung in Europa an den Start gegangen: Flaggschiff-Chip, großer Akku, extrem schnelles Laden. Viele Testberichte sahen darin einen Störenfried im High-End-Markt. Zehn Monate später ist das Smartphone selbst immer noch stark, doch der Wind auf dem Markt hat sich gedreht.

Für europäische Verbraucher lautet die Frage nicht mehr „Ist das Handy schnell genug?“, sondern „Lohnt es sich, dieses Geld für ein Flaggschiff einer Marke auszugeben, die sich gerade zurückzieht?“
Hardware-Erlebnis: immer noch robust
Die Alltagserfahrung ist der sympathischste Teil des Geräts. Der 7300-mAh-Akku hält bei gemischter Nutzung meist bis in den zweiten Tag durch, und das 120-Watt-Laden bringt den Akkustand in kurzer Zeit wieder nach oben. Pendeln, Reisen oder lange Gaming-Sessions gehen damit entspannt vonstatten.
Der Snapdragon 8 Elite Gen 5 meistert zusammen mit dem 165-Hz-LTPO-AMOLED-Display Alltags-Apps und Spiele mit hohen Bildraten weiterhin souverän. Auch die Verarbeitung bleibt auf Flaggschiff-Niveau: Aluminiumrahmen, Schutz nach IP68/IP69K und ein Gewicht von rund 211 Gramm. Insgesamt wirkt das Design kantiger als bei früheren OnePlus-Modellen.
Auf der Softwareseite ist OxygenOS 16 auf Basis von Android 16 nach wie vor schlank und flüssig. Die von OnePlus zugesagten mehreren Android-Hauptversions-Upgrades und langfristigen Sicherheitspatches könnten den Support theoretisch bis über 2029 hinaus verlängern. Betrachtet man nur das Gerät selbst, ist es weiterhin ein hochgradig ausgereiftes Android-Flaggschiff.
Kamera und Details: Schwächen werden sichtbar
Die wirklichen Unterschiede zeigen sich bei der Kamera. Drei 50-Megapixel-Kameras plus einer 32-Megapixel-Frontkamera liefern bei Tageslicht verlässliche Ergebnisse, und auch der Telezoom ist brauchbar. Im europäischen Markt des Jahres 2026 hinkt das Gerät jedoch bei Zoom, Konsistenz bei Nachtaufnahmen und Computational Photography weiterhin dem Oppo Find X9 Pro, den Google-Pixel-Modellen und Samsungs Ultra-Reihe hinterher. Wer Fotografie an erste Stelle setzt, trifft mit dem OnePlus 15 nicht die sicherste Wahl.
Auch die Displaywahl zeigt die Prioritäten von OnePlus: Die 1,5K-Auflösung ermöglicht eine Bildwiederholfrequenz von 165 Hz. Für die meisten Nutzer ist die Flüssigkeit spürbarer, doch wer auf Feinheit achtet, wird den Unterschied zu einem QHD-Display bemerken. In der europäischen Version liegt kein Ladegerät bei. Wer die vollen 120 Watt nutzen will, braucht zusätzlich ein kompatibles Netzteil.
Markenperspektive: der Punkt, der wirklich zählt
Wichtiger als die Ausstattung ist die Entwicklung der Marke. Im Juli dieses Jahres bestätigte OnePlus, keine neuen Produkte mehr in Europa und Nordamerika vorzustellen. Die europäischen Vertriebskanäle verkaufen derzeit vor allem Restbestände. Oppo erklärte, dass Garantie, Reparaturen und Systemupdates fortgeführt werden, wobei später möglicherweise von OxygenOS auf ColorOS umgestellt wird. Zwar gibt es auch Aussagen, wonach Nutzer bei OxygenOS bleiben können, doch der langfristige Update-Rhythmus bleibt ungewiss.
Das wirkt sich direkt auf die Kaufentscheidung aus. Mit dem schrittweisen Rückzug von OnePlus aus dem EU-Markt dürfte der Wiederverkaufswert unter Druck geraten, und Ersatzteile sowie Kundendienst werden stärker über die Strukturen von Oppo laufen statt über eigene OnePlus-Kanäle. Grauimporte für 650 bis 800 Euro wirken verlockend, doch angesichts der Verlagerung des offiziellen Supports überwiegt das Risiko den Preisvorteil deutlich. Geräte aus offiziellen EU-Kanälen kosten meist weiterhin um die 850 bis 900 Euro. Das liegt zwar unter dem Einführungspreis, doch in dieser Preisklasse gibt es Marken wie Samsung, Google und Oppo, die weiterhin normal operieren und über vollständigere Verkaufs- und Reparaturnetzwerke verfügen.
Am Ende ist das Fazit klar
Wer ein fabrikneues, versiegeltes europäisches OnePlus 15 mit lokaler Garantie findet und kein Problem mit einem künftigen Wechsel zu ColorOS hat, kann es weiterhin in Betracht ziehen.
Wer dagegen mehr Wert auf Kameraleistung, langfristige Software-Stabilität legt oder eine Marke sucht, die auch 2028 noch aktiv auf dem europäischen Markt ist, fährt mit den aktuell erhältlichen Pixel , Galaxy oder Oppo Modellen sicherer.